Alltag

Wie ist das?

Wie ist das, einen sexuell expliziten Roman in der Öffentlichkeit zu lesen, der seit Wochen die Bestsellerlisten anführt und noch dazu mit einem prägnanten Umschlag ausgestattet ist?
Meine Sitznachbarin in der U6 fand offenbar nichts dabei, den anderen Mitfahrern das "Feuchtgebiete"-Cover ins Gesicht zu halten.

(Gerne hätte ich diesen Eintrag ja mit "Sex in Public" betitelt, aber da hätten die Suchmaschinen wohl zu viele Besucher mit falschen Erwartungen hergeschickt.)

Alles da in der Spar

Über die Unwissensheit seiner Mitmenschen zu lachen gilt zu Recht als unschick. Das Internet nimmt diesem Missverhalten jedoch einiges an Schärfe, weil man als Spötter anonym bleiben kann oder die Erheiterung ganz einfach ohne Wissen des Opfers stattfindet.

Die von einem fm4-Redakteur angestiftete Diskussion über das korrekte Genus von "Spar" trieb seltsame Blüten. Die nachvollziehbaren Argumentationen "Der Spar-Markt" und "Die Spar AG" wurden gnadenlos ausgestochen (zumindest aus humoristischer Sicht) von der verdrehten Wiedergabe eines Werbeslogans:

laut slogan heißt es aber ganz eindeutig:
"alles da, in der spar" somit muss es also grammatikalisch korrekt die Spar heißen.


fm4.orf.at

Unwort des Jahres:

Córdoba.

Lieblings-Neologismen aus Urbandictionary.com

Shituation: a dramatic, usually negative happening resulting in utter shit in one's life
dk;dc don't know, don't care
Slacktivism The act of participating in obviously pointless activities as an expedient alternative to actually expending effort to fix a problem
Robocracy Government run by robots

Eher grotesk ist der Eintrag zu "Handy" - die Amis wollen den Scheinanglizismus jetzt tatsächlich übernehmen.

Kennt jemand was Vergleichbares auf Deutsch? Wie wärs z.B. mit: Kollaterale Aufmersamkeitsbeanspruchung (Zusammengesetzt und daher natürlich nur halb so interessant):

Jemand: Hey!
A: Meint der uns?
B: Nein, ist bloß kollaterale Aufmerksamkeitsbeanspruchung.

last.fm-related Habits

Manchmal, wenn ich einen Song kurz vor seinem Ende nicht mehr hören will, drehe ich die Lautstärke ab und lasse ihn weiterlaufen, damit er auch gescrobbelt wird.

Too Much Caffeine in My Bloodstream

kaffee

Gleich nach dem Aufwachen verrät ein Blick auf den Wecker, dass die Medienökonomie Vorlesung mal wieder ohne mich stattgefunden hat. Dennoch stehen einige Uni-Arbeiten an, die sich aufgrund der nahe gerückten Deadline nicht mehr ignorieren lassen, deren Inangriffnahme mir im gegenwärtigen Zustand allerdings sinnlos erscheint. Der Schädel brummt, und mit dem Ziel, im Laufe des Tages doch noch produktiv zu werden, nehme ich mir vor, ein Runde zu joggen, zwei Liter Wasser zu trinken und eine Dusche zu nehmen. Stattdessen entscheide ich mich dann aber für eine Abkürzung und brühe mir einen Kaffee, dessen Koffeingehalt einen toten Körper zum Tanzen bringen würde (-). Gegen jede Vernunft leere ich einen dreivertel Liter innerhalb weniger Sekunden in mich hinein, und bin gleich darauf so aufgekratzt, dass ich keinen Satz zu Ende lesen kann. Also Gitarre und Kopfhörer in den Verstärker gestöpselt und einige Stunden lang die Saiten in Lichtgeschwindigkeit bearbeitet.

The Smiths - A Rush and a Push and the Land is Ours [mp3]

Nerd Hobbies, #1 / Unwort des Jahres

nerd1

In der ersten Folge der heute startenden Serie "Die Hobbys eines Nerds" geht es um den therapeutischen Abbau von Abscheu manchen Worten gegenüber.

In meinem Fall ist es "unschlagbar"; im Sport durchaus OK, um von ungebrochenen Siegesserien zu berichten, kann es aus diversen Werbeprospekten schreiend demjenigen den Tag versauen, der sich gleich nach dem Aufstehen, mit niedriger Ekelgrenze also, über Post und Zeitung hermacht.

Ich lasse mir von einer Suchmaschine die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten des Wortes vorführen und wähle davon die drei widerlichsten aus:
  • Kinder sind unschlagbar! Keine Gewalt in der Erziehung.
  • In „Einfach unschlagbar! Beste Freundinnen“ erzählen bekannte und unbekannte Autorinnen, teils witzig, teils einfühlsam, Episoden einer Freundschaft.
  • Rohe unbehandelte Menschennahrung ist unschlagbar!
Nun gilt es, den Ekel durch wiederholtes Lesen abzubauen und sich so für künftige Konfrontationen zu wappnen.

Einen etwas anderen Umgang mit unliebsamen Worten pflegt die vierköpfige Jury, die in Deutschland jährlich das Unwort des Jahres auswählt. Ihr Engagement gilt der Bekämpfung und Offenlegung von euphemistischen Wörtschöpfungen neoliberaler Wirtschaftspersönlichkeiten und Politiker; heuer fiel die Wahl auf "Entlassungsproduktivität".

die FAZ weiss mehr darüber.

Aus Sicherheitsgründen ...

straba

Es haben sich in letzter Zeit die (mündlichen) Berichte gehäuft, nach denen die als grantig verschrienen Fahrer der Wiener-Linien dazu übergegangen seien, ihre Anliegen in humoristischer Form vorzubringen.

Gestern wurde ich selbst Zeuge einer solchen erheiternden Durchsage. In einer übervollen 44er Straßenbahn hielten sich die zuletzt Zugestiegenen aus Platzgründen sehr nahe an den Türen auf. Als der Zug an einer Haltestelle recht lange stehen blieb, ahnten die meisten wohl bereits, dass sich irgendwer zu nah am Türbereich aufhielt und so die Lichtschranke blockierte, was das Schliessen der Türen und damit die Weiterfahrt unmöglich machte. Ein leises Knistern war aus den Lautsprechern zu vernehmen, dann die Duchsage: "Aus Sicherheitsgründen fahren wir nur bei geschlossenen Türen!"

Nachricht mitgeteilt, außerdem Menschen zum lächeln und kichern gebracht. Ob sich die Fahrer der Wiener Linien wohl untereinander über solche Sprüche und charmante verpackte Aufforderungen austauschen? Vielleicht wenn sie gemeinsam in der Kantine sitzen (haben die Fahrer der Wiener Linein so etwas?) oder bei der schnellen Zigarette vor Dienstbeginn.

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